Die Erkrankung selbst wurde bereits in den Vierzigern beschrieben, jedoch erst in den Siebzigern erkannte man, daß es sich dabei um einen Virus handelt. Dieser Virus gehört zu Gruppe der Corona-Viren, genauer gesagt: er kann sich daraus entwickeln. Er ist daher vom harmlosen Felinen Corona-Virus (abgekürzt FCoV) laborchemisch nicht zu unterscheiden. Diese Erkenntnis zeichnete sich aber erst Anfang der 90er ab.

An FIP können auch andere sogenannte „katzenartige“ erkranken, z. B. Löwen, Pumas, Leoparden, Jaguare und Luchse. Das Schwein erkrankt durch das Corona Virus an einer ansteckenden Magen-/Darm-Entzündung, Hühner an einer infektiösen Bronchitis und auch ein Schnupfenvirus des Menschen ist ein Corona-Verwandter. Bei der Katze ruft das FCoV eine meist milde Durchfall-Erkrankung hervor, manchmal bleibt die Infektion auch unbemerkt. Leider bildet sich nach durchmachter Infektion keine Immunität aus, so daß ein erneuter Kontakt auch wieder zur erneuten Erkrankung führen kann. Manche Katzen werden zu Dauerausscheidern.

Ca 80 % der Katzen haben einen sogenannten „Corona-Titer“ und somit schon einmal Kontakt mit dem FCoV gehabt (andere Quellen sprechen sogar von 100%). Jedoch nur 2-5% erkranken an FIP. Ein positiver Corona-Titer sagt also über FIP gar nichts aus; nicht einmal dessen Höhe ist endgültig wegweisend. Er sagt nur aus, daß die Katze gerade eine Corona-Infektion durchmacht oder gemacht hat.

Die Corona-Viren vermehren sich in den Schleimhäuten des Magen-Darm-Trakts und der Atemwege und führen hier zu lokalen Entzündungen. Kommt es jedoch zur Mutation und das FCoV wird zum FIP Virus, gewinnt es die Fähigkeit, in den Körper zu gelangen und in die Makrophagen (Freßzellen) einzudringen. Mit Hilfe dieser Zellen kann sich der FIP-Virus dann im ganzen Körper ausbreiten. Die eigentliche Funktion der Makrophagen ist es, die Immunabwehr von Viren zu unterstützen, sie werden zu diesem Zweck bei Infektionen stark vermehrt. Bei FIP werden durch ein neu in den Viren entstandenes Enzym die Makrophagen „umgedreht“ und anstatt die FIP-Viren zu verdauen, werden sie nun produziert (ähnlich wie bei FIV bzw SARS und HIV beim Menschen). Hier bringt sich die Katze mit einer guten Immunabwehr sozusagen selbst um. T- und B-Zellen der Lymphozyten, die normalerweise im Gleichgewicht stehen, geraten ins Ungleichgewicht, die B-Zell-Aktivität steigt, die der T-Zellen sinkt.

Das Erscheinungsbild ist sehr variabel; das macht die Diagnose schwierig. Folgende Blutparameter sind richtungsweisend:

Ebenfalls eine Tendenz kann aus der Höhe des Corona-Titers abgeleitet werden, jedoch nur im Zusammenhang mit anderen Blutparametern:

Der Titer kann jedoch im Endstadium durchaus gegen 0 gehen!

Die charakteristischsten Werte sind eine Erhöhung der Gamma-Globulin-Werte sowie des Gesamt-Eiweiß und die Erniedrigung des A/G-Quotienten. Die Spezifität liegt hier bei 90%, wobei auch hier bedacht werden muß, daß diese auch bei chronischen Entzündungen/Schnupfen auftreten können.

Sicherer ist der Nachweis der Erkrankung durch eine Punktat-Untersuchung, wenn das Tier einen Erguß (Bauchwasser oder Wasser in der Lunge) hat. Wichtig ist hier nicht nur die äußere Erscheinung des Punktats (bernsteinfarben, Faden ziehend), sondern die Durchführung der Rivalta-Probe:
Ein Reagenzglas wird zu Dreiviertel mit destilliertem Wasser gefüllt, ein Tropfen Eisessig dazu gegeben und vorsichtig gemischt. Danach gibt man einen Tropfen Punktat in die Lösung. Löst sich der Tropfen auf, ist die Probe negativ. Bleibt der Tropfen bestehen, schwebt nach unten oder bleibt gar oben auf liegen, ist die Probe positiv und es liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit FIP vor.

Eine erfolgreiche Therapie gibt es immer noch nicht. Es besteht die Möglichkeit, die Symptome kurzfristig mit Cortison oder Interferon zu bessern, jedoch gelingt dieser Aufschub um höchstens 2 Wochen. Der Kommentar des amerikanischen Forschers Pedersen zu Interferon ist: „Da können Sie genausogut Hühnersuppe nehmen!“

Häufige Symptome bei beiden Formen sind Freßunlust, Gewichtsabnahme, Müdigkeit und eine wiederkehrende Temperaturerhöhung, manchmal zeigt sich aber nur eine Augenveränderung. Grob wird die „feuchte“ (exsudative) und die „trockene“ (granulomatöse) Form unterschieden. Beide Formen sind gleichhäufig vertreten.

Bei der feuchten Form findet sich häufig eine deutliche Umfangsvermehrung des Bauches, ein sogenannter „Aszites“. Es kann aber auch der Brustraum betroffen sein. Hier kann es bedingt durch die verminderte Atemfähigkeit zu blauen Schleimhäuten kommen.

Die trockene Form ist schwieriger zu diagnositizieren. Hier können sich ein Ikterus (Gelbfärbung der Schleimhäute) oder neurologische Störungen (Lähmungen u. a.) zeigen. Es kommt zu plaqueartigen Auflagerungen im Bauch- und/oder Brustraum, die in ausgeprägten Fällen vom Tierarzt tastbar sind.

FIP selbst ist kaum ansteckend (<5%). Der mutierte Virus spezialisiert sich auf einen „Wirtshaushalt“. Es gibt Berichte, nach denen Wurfgeschwister fast noch bis zum letzten Tag miteinander spielten, und während ein Kitten eingeschläfert werden mußte, waren andere sogar später fast titerfrei.

Die Übertragung von FCoV findet über den Kot statt, selten auch über Speichel. Der FCoV ist nicht plazentagängig, so daß sich Jungtiere erst infizieren, wenn die schützenden Antikörper, die sie mit der Kollostralmilch erhalten, nachlassen, also mit 5 – 7 Wochen. Die Viren werden nicht nur von erkrankten Katzen, sondern auch von gesunden ausgeschieden (Dauerauscheider). Da auch während der Mutation von FCoV in FIP, die Wochen oder gar Monate dauern kann, Viren ausgeschieden werden, ist eine Trennung nach Ausbruch der Krankheit von anderen im Haushalt lebenden Katzen für niemanden mehr hilfreich. Übertragen wird auf jeden Fall ohnehin nur das normale FCoV! Es ist äußerst selten, daß 2 Katzen in einem Haushalt an FIP erkranken.

Das Corona Virus bleibt zwar bei 0°C über Wochen infektiös (Kot im Garten im Winter!), wird aber bei Raumtemperatur in der Regel innerhalb eines Tages inaktiviert. Einige Stämme bleiben jedoch nach Antrocknung an der Oberfläche 3 bis 7 Wochen infektiös. Bei 56°C dauert der Inaktivierungsprozeß sogar nur knapp eine Minute.  Als wirksames lokales Desinfektionsmittel eignet sich Alkohol, aber auch Reinigungsmittel, die üblicherweise im Haushalt angewendet werden (z. B. Chloroform).

Vorbeugung ist nur schwer möglich. Theoretisch wäre eine Anregung der T-Zell-Aktivität durch Interferon oder das homöopathische „Neythymun oral“ möglich und/oder eine Minderung der B-Zell-Aktivität durch Cortison. Dies würde aber das Immunsystem ins Ungleichgewicht bringen, und das ist wenig sinnvoll, solange noch keine Mutation stattgefunden hat. Es könnte sogar eine Mutation fördern. Zudem wäre eine solche Vorbeugung Lebenslang notwendig.

Die Impfung, die ohnehin nur gegen Corona und auch nur bei sicherem Nicht-Befall helfen soll, gegen FIP selbst ist es nicht möglich, hat sich als wenig effektiv herausgestellt. In einer von der Uni Giessen durchgeführten Studie hat sich sogar gezeigt, daß geimpfte Katzen, die einem hohen Infektionsdruck ausgesetzt waren, eher erkrankten als ungeimpfte Katzen.

Für Züchter besteht theoretisch die Möglichkeit der Gefahrenminimierung durch „Entlarfen“ von Dauerausscheidern und Abgabe derselben. Jedoch ist der dafür notwendige Test noch nicht sehr weit verbreitet (spezieller PCR Test).

Als Risikofaktoren gelten Streß, wie z. B. Umzug, eine hohe Anzahl Katzen im Haus (bei über 20 steigt das FIP-Risiko explosionsartig) oder OPs. Auch eine immunologische Vorschädigung, z. B. durch andere bereits bestehende Erkrankungen (insbesondere FIV, FeLV) erhöht das Risiko. Weitere mögliche Ursachen sind eine hohe Virusreplikationsrate (Vermehrung) und Rassedispostion (Genetik). Auch das Alter spielt eine Rolle; Katzen erkranken vor allem zwischen 3 Monaten und einem Jahr, gehäuft auch noch bis 5 Jahren. Dr. Little schreibt von einer Häufung zwischen 6 Monaten und 2 Jahren mit einem Höhepunkt um 10 Monate.  In etwa ab 13 Jahren beginnt die Häufigkeit wieder zu steigen. Ausstellungen und Deck-Besuche erhöhen nach amerikanischen Vorschungen das Risiko angeblich nicht.

Nicht außer Acht gelassen werden sollte, daß nach neueren Beobachtungen eine genetische Disposition besteht. Das heißt, daß einem Kitten die Bestimmung, an FIP zu erkranken, sozusagen in die Wiege gelegt wird. Seit 1996 von Foley/Pedersen durchgeführte Beobachtungen in mehreren Catterys über 10  Generationen ergaben eine Wahrscheinlichkeit der Erblichkeit dieser Prädisposition von 50%, natürlich polygenetisch. Sie geben an, daß Inzucht selbst kein Risiko-Faktor ist. Möglicherweise liegt der Defekt in der zellvermittelten Immunität, was bedeuten würde, daß diese Katzen auch für andere Virus- und Pilz-Infektionen empfänglicher wären. In dem Falle wäre eine Selektion auf Wiederstandsfähigkeit hilfreich.

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